Sonnenfinsternis 2015

Über meine Erfahrungen beim Fotografieren der partiellen Sonnenfinsternis 2015.

vor 4 Jahren veröffentlicht unter Fotografie Fototouren.

Am 20. März 2015 hatten wir das Glück, eine partielle Sonnenfinsternis über Deutschland beobachten zu können, natürlich musste ich dieses Ereignis auf Film Speicherkarte festhalten. Falls ihr einmal die Möglichkeit bekommt eine Sonnenfinsternis fotografieren, helfen euch meine Erfahrungen beim Fotografieren eben dieser vielleicht weiter.

Sonnenfinsternis 2015

Die nächste partielle Sonnenfinsternis über Deutschland findet leider erst 2021 wieder statt, in Südostasien könnt ihr allerdings nächstes Jahr schon wieder eine totale Sonnenfinsternis beobachten. Eine Übersicht der kommenden Sonnenfinsternisse findet ihr im Wikipedia-Artikel Liste der Sonnenfinsternisse des 21. Jahrhunderts.

Vorbereitung

Kell am See

Das wichtigste für mich war die Location, ich wollte entspannt und ungestört fotografieren, also musste ich aus der Stadt raus. Da es im Moseltal zu dieser Jahreszeit morgens regelmäßig zu Nebelbildung kommt, suchte ich mir einen höher gelegenen Ort. Das stellt im Hunsrück kein allzu großes Problem dar, die Entscheidung fiel schnell auf den See in Kell am See. Dort richtete ich mich auf einem Steg ein und hatte den kompletten Vormittag idyllische Ruhe.

Ein weiterer Faktor war das Wetter. Bei dichter Bewölkung wäre das Fotografieren der Sonnenfinsternis nicht möglich gewesen. Aber da man das Wetter nicht planen kann, müsst ihr euch da auf euer Glück verlassen.

Außerdem benötigt ihr das richtige Equipment, welches ihr früh genug bestellen solltet falls ihr es noch nicht besitzt. Welches Equipment ich benutzt habe, lest ihr im nächsten Abschnitt.

Equipment

Equipment

Filter

Das wichtigste bei der Sonnenfotografie ist ein Filter um die Intensität der Sonne abzuschwächen. Denn was gebündeltes Sonnenlicht anrichten kann, habt ihr sicher schon mal mit einer Lupe ausprobiert. Das will man seinem Sensor oder seiner Netzhaut nicht antun. Auch mit Filter sollte man nur die Live-View benutzen und nicht durch den Sucher sehen, denn Infrarot- und UV-Licht wird durch den ND-Filter nicht genügend gefiltert.

Ich besitze seit längerem ein ND-Filterset von Haida, welches ich auch für Langzeitbelichtungen am Tag benutze. Zum Fotografieren der Sonnenfinsternis habe ich den ND64 und den ND1000 Filter aus dem Set kombiniert, was 16 Blendenstufen entspricht.

Ihr könnt euch auch einen günstigen Folienfilter selbst bauen oder einen anderen Filter benutzen, eine Übersicht aller Filter findet ihr im Traumflieger Artikel Workshop Sonnenfotografie.

Objektiv

Laut Internet kann man ab einer Brennweite von 500mm ernsthafte Versuche unternehmen. Da ich bereits ein sehr gutes 70-300mm Objektiv mein eigen nennen durfte, entschied ich mich für einen 2-fach Telekonverter. Telekonverter haben nicht den besten Ruf und sowas kann auch nach hinten losgehen, vor allem wenn der Telekonverter wie bei mir erst am Tag vor der Sonnenfinsternis ankommt und man keine Zeit mehr zum Testen hat. Allerdings war ich sehr überrascht, der Telekonverter und mein Objektiv passen offenbar sehr gut zusammen, ich bin immer noch sehr beeindruckt von den Ergebnissen. Mit Telekonverter kam ich auf eine Brennweite von 600mm. Das Tamron 70-300mm hat bei Blende 8 die beste Abbildungsqualität, durch den 2x Telekonverter verliert man zwei weitere Blendenstufen, weshalb ich die Fotos mit Blende 16 machte.

Telekonverter Vergleich

Zum direkten Vergleichen habe ich auch ein paar Fotos ohne Telekonverter gemacht. Auf der linken Seite des Bildes habe ich ein Foto ohne Telekonverter auf 200% vergrößert, auf der rechten Seite ist ein Foto mit Telekonverter. Bei beiden Fotos war das Objektiv auf Blende 8 eingestellt. Trotz stärkerer chromatischer Aberrationen hat das Foto mit Telekonverter eine viel höhere Auflösung.

Stativ & Fernauslöser

Mit den ND-Filtern und Blende 16 kam ich auf Belichtungszeiten von ~1/60s, bei einer Brennweite von 600mm sollte man da schon ein Stativ benutzen. Dank Kugelkopf war das Ausrichten auf die Sonne und das anschließende Nachführen recht bequem. Zum Fokussieren habe ich die reingezoomte Live-View benutzt, allerdings brachte jedes Drehen am Fokusring die Kamera zum wackeln, weshalb ich immer wieder mehrere Kontrollfotos machen musste.

Damit ich die Kamera nach dem Ausrichten und Fokussieren nicht mehr berühren musste, habe ich einen Fernauslöser benutzt. Hier könnt ihr natürlich auch den Selbstauslöser der Kamera verwenden, aber einen Fernauslöser finde ich einfach bequemer.

Equipment-Liste

Hier eine Liste der kompletten Ausrüstung, die ich für die Fotos benutzt habe (mit Amazon Affiliate-Links):

Optional

Zum Dokumentieren habe ich meine alte Canon EOS 1100D mit meinen Objektiven Sigma 8-16mm, Tamron 17-50mm und Canon 50mm genutzt. Außerdem hatte ich wie immer meine GoPro Hero4 Black und mein iPhone5 dabei.

Fotografieren

Sonnenfinsternis 2015

Einmal aufgebaut, musste die Kamera nur noch der Sonne nachgeführt werden und regelmäßig der Fernauslöser betätigt werden. In längeren Fotopausen habe ich das Objektiv mit einem Jutebeutel (um auch alle Klischees zu erfüllen) abgedeckt, es muss ja nicht stundenlang gebündeltes Sonnenlicht auf Sensor/Spiegel treffen. Nach knapp 3 Stunden war die Sonnenfinsternis vorbei und ich um 651 Fotos reicher. Ob mein Kamerasensor diese Tortur überstanden hat, wird sich noch herausstellen.

Bearbeitung

Um mir alle Optionen offen zu halten, fotografiere ich so gut wie immer im RAW-Format. Bei den Fotos von der Sonnenfinsternis habe ich im Nachhinein allerdings nur Belichtung und Weißabgleich angepasst. Normalerweise ist die Sonne komplett weiß, aber eine gelbliche Sonne finde ich etwas ansprechender. Zusätzlich habe ich noch ein kurzes Stop Motion Video mit Premiere Pro erstellt. Durch die Bewegung der Sonne musste ich jedes Foto manuell zentrieren, deshalb das "rumspringen" der Sonne im Video.

Fazit

Bei der nächsten Sonnenfinsternis werde ich den Timer des Fernauslösers benutzen um alle 30 Sek. ein Foto zu machen. Aus Fotos mit regelmäßigeren, kürzeren Abständen hätte ich nämlich ein flüssigeres Stop Motion Video erstellen können. Alles in allem bin aber sehr zufrieden mit der Ausbeute. Ich habe nicht damit gerechnet, dass man sogar Sonnenflecken auf der Sonne erkennen kann.

Galerie (21 Fotos)

Willi Thiel

Geschrieben von Willi Thiel am 22. März 2015.


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