Baracoa, das andere Kuba

Kuba-Tagebuch – Tag 16: Ein Ausflug in eine andere kubanische Kultur

vor 3 Jahren veröffentlicht unter Reisen Kuba.

400 Jahre Abgeschiedenheit vom restlichen Festland haben Baracoa zum verrücktesten, wildesten, bizarrsten und ungewöhnlichstem Ort Kubas werden lassen. Die älteste Stadt Kubas war mit Abstand der interessanteste Ort, den wir auf unserem Roadtrip durch Kuba besucht haben. Kulturell vollkommen anders als der Rest des Landes und auch in seiner Schönheit nur von Havanna übertroffen. Trotz der Hitze nutzen wir unseren 16. Tag in Kuba zu einer ausgiebigen Erkundung der einzigartigen Küstenstadt.

Hotel El Castillo

Aussicht vom Hotel El Castillo

Erstes Ziel am Morgen war das Hotel El Castillo, dass auf einem Berg über Baracoa liegt. Obwohl die Hitze zur der noch frühen Stunde schon fast unerträglich war, wagten wir uns an einen Aufstieg über die unzähligen Stufen der Treppe zum Hotel El Castillo. Als wir nach sehr vielen Pausen bei gefühlten 40 Grad und brennendem Sonnenschein endlich das Hotel erreicht haben, wurden wir belohnt. Von der Terasse vor dem Hotel hatten wir einen traumhaften Ausblick auf das vor uns liegende, bunte Baracoa!

Tafelberg El Yunque

Anschließend gingen wir auf die andere Seite des Hotels. Von hier aus hatten wir freie Sicht auf den Tafelberg bei Baracoa, den El Yunque. Auch die Bucht und den Flughafen von Baracoa konnten wir von hier aus gut sehen. Solltet ihr nach Baracoa kommen, dann empfehle ich euch auf jeden Fall einen Abstecher zum Hotel El Castillo, auch wenn euch die vielen Treppenstufen im ersten Moment abschrecken. Eine bessere Aussicht auf die Stadt bekommt ihr sonst von nirgendwo.

Casa del Chocolate

Nachdem wir das Hotel El Castillo wieder verlassen haben, spazierten wir ein wenig durch die Altstadt von Baracoa. Dabei kamen wir am Schokoladenmuseum „Casa del Chocolate“ vorbei und sahen uns darin ein wenig um. Das Museum ist leider nicht wirklich ein Museum, sondern eher ein überteuertes Café, in dem die Schokolade aus Baracoa verkauft wird. Da uns die Schokolade beim Frühstück aber sehr gut geschmeckt hat, deckten wir uns trotz des Preises mit ein paar Schokoriegeln und Kakaopulver ein. Wenn ihr keine Schokolade kaufen möchtet, dann könnt ihr euch den Besuch der Casa del Chocolate aber auch sparen.

Wegen der immer unerträglicher werdenden Hitze entschlossen wir uns zu einer Pause in unsere Casa Particulares. Bei einer erfrischenden tuKola ließen wir uns von Adis, der Besitzerin unserer Casa, den Weg zum Archäologischem Museum von Baracoa erklären.

Museo Arqueologico la Cueva Del Paraiso

Museo Arqueologico la Cueva Del Paraiso

Nach der wohlverdienten Pause machten wir uns auf den Weg zum Museo Arqueologico la Cueva Del Paraiso, welches natürlich wieder auf einem Berg lag, also durften wir wieder etliche Treppen laufen. Das Museum befindet sich in einer Höhle im Berg, direkt über Baracoa. Die Höhle war eine ehemaligen Indiowohnstätte der Ureinwohner Kubas, den Tainos. Im Museum sind einige Werkzeuge und Schmuckstücke der Ureinwohner ausgestellt. Außerdem könnt ihr ein paar Taino-Skelette betrachten, unter anderem die Grabstätte eines Kaziken.

Über abenteurliche Leitern könnt ihr außerdem zu einem wackeligen Konstrukt gelangen, von dem aus ihr einen tollen Blick über die Stadt hat. Hier solltet ihr aber vorsichtig sein, wirklich stabil und sicher sah die in den Berg gebaute Plattform nicht aus.

Bahía de Baracoa

Bahía de Baracoa

Müde vom Besteigen der vielen steilen Berge suchten wir uns ein Bici-Taxi und ließen uns ans andere Ende von Baracoa fahren, an die Bahía de Baracoa. Über die Klippen spazierten wir an der Bucht entlang und beobachteten ein paar Jugendliche bei ihren Klippensprüngen in das Wasser der Bucht.

Dem Bici-Taxi-Fahrer, der irgendwann auftauchte und bereits eine ganze Weile bei der Straße auf uns wartete, mussten wir bei unserer Rückkehr leider mitteilen, dass wir den Weg zurück laufen werden und deshalb seine Dienste leider nicht brauchen. Ein kleines Trinkgeld gaben wir ihm trotzdem, dieser Service war nämlich viel angenehmer als die Belästigung der vielen Jineteros im restlichen Land.

Malecón

Malecón

Am Malecón entlang spazierten wir zurück zu unserer Casa Particulares. Trotz Plattenbauten und Hausruinen war der Malecón wunderschön anzusehen. Mehrere Mauern waren mit vielen bunten Propaganda-Graffitis verziert. Auf dem Balkon eines Plattenbaus hat ein cleverer Kubaner sogar ein kleines Restaurant mit Meerblick eingerichtet. Auf der anderen Seite der Straße, am Meer, konnten wir wieder Kubaner beim Angeln beobachten.

Casa Rafael y Adis

Casa Rafael y Adis

Als wir unsere Casa Particulares gegen 16 Uhr erreichten, begann es zu nieseln. Der Nieselregen hielt sich bis in die Nacht, weshalb wir den Rest des Tages im überdachten Bereich unserer Dachterasse verbrachten. Zum Abendessen gab es wieder eine Spezialität aus Baraco: Hummer mit lechita, lechita ist eine Soße aus Kokosnussmilch, Tomaten, Knoblauch und verschiedenen Gewürzen. Als Beilage gab es bacán – rohe, grüne Kochbananen mit Krebsfleisch gemischt und in ein Bananenblatt eingewickelt.

Fazit

Baracoa hat es uns sehr angetan, seine komplett eigene Kultur und die überaus leckeren lokalen Spezialitäten haben die kleine Stadt zu einem Highlight unseres Roadtrips werden lassen. Bei einem Kuba-Roadtrip darf ein Abstecher nach Baracoa auf keinen Fall fehlen! Eigentlich solltet ihr Baracoa auf jeden Fall besuchen, wenn ihr Kuba besucht, auch wenn ihr keinen Roadtrip macht. Dazu könnt ihr zum Beispiel mit Aerocaribbean und Aerogaviota von Havanna nach Baracoa und zurück fliegen. Es lohnt sich!

Galerie (43 Fotos)

Willi Thiel

Geschrieben von Willi Thiel am 5. Juni 2016.


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Kommentare

Kerstin Serrano
vor 2 Jahren

Baracoa muß man gesehen haben, aber wer nicht im La Rusa übernachtet hat , war nicht in Baracoa. Es gehört einfach zu dieser Stadt.

Constance
vor 2 Jahren

Wenn ich diesen und andere Bericht über Baracoa lese und mir Fotos ansehe, kann ich kaum glauben, im selben Ort gewesen zu sein. Allerdings liegt meine Besuchszeit nach Hurrican Mathew. Keine Musik, keine besondere Stimmung - ein grauer Ort unter grauem Himmel mit sehr viel Regen. Geköpfte, zerrissene, zerstörte Pflanzen. Kein grüner Urwald, keine Tiervielfalt, keine Begeisterung. Kein Malcecon mit bunten Graffities, sondern mit gähnenden Löchern in den Häusern, deren Balkone abgerissen sind und die Dächer fehlen. Hurrican Mathew hat ganze Arbeit geleistet. Ich kann mir bei all den begeisterten, wunderschönen Beschreibungen, die ich gelesen habe, Baracoa beim besten Willen nicht vorstellen. So zerstört ist es. Ich hatte mich sehr auf Baracoa gefreut, aber leider wurde es zu einem Ort, von dem ich gerne abreiste. Dennoch trafen wir gerade hier die gastfreundlichsten Menschen Kubas, von denen keiner über das Schicksal der Stadt klagte. Ich kann der Natur und den Menschen nur die Daumen drücken, dass alles schnell wieder wächst und die Zeit auch hier die Wunden heilt.

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