Über Pinar del Río nach Viñales

Kuba-Tagebuch – Tag 4: Mit dem Mietwagen über die Autopista nach Viñales

vor 3 Jahren veröffentlicht unter Reisen Kuba.

An unserem vierten Tag in Kuba bekamen wir unseren Mietwagen, mit dem es anschließend über die Autopista von Havanna über Pinar del Río nach Viñales gehen sollte.

Die Mietwagen-Verschwörung

Unser Mietwagen

Zu Autofahren und Mietwagen in Kuba kann man in diversen Blogs und Foren so einige Horrogeschichten lesen. Aber: Es ist gar nicht so schlimm!

Da wir uns bereits auf die kubanische Mentalität eingestellt hatten, sind wir am Vortag schon einmal mit unserem Voucher von avenTOURa im Büro von Cubacar aufgetaucht, um unseren Besuch am nächsten Tag anzukündigen. Das war auch gar nicht so unklug, denn wie sich herausstellte, öffnet das Büro erst um 9:00 Uhr und Kunden bedienen könne man erst ab 9:30 Uhr. Laut unserem Voucher sollten wir das Fahrzeug zwar um 8:00 Uhr morgens entgegennehmen, aber nun gut.

Pünktlich um 9:30 Uhr erschienen wir also im Büro von Cubacar. Das Fahrzeug war natürlich noch nicht da, weshalb wir erstmal eine Stunde warten mussten. Dann wollte man uns den übelst verschmutzten Mietwagen in ungereinigtem Zustand übergeben, was wir selbstverständlich ablehnten. Nach weiteren 60 Minuten des Wartens war das Fahrzeug dann endlich gereinigt und die Fahrzeugübergabe fand statt. Nur dreieinhalb Stunden nach der angegebenen Uhrzeit hatten wir also unseren Mietwagen, ich habe mit Schlimmerem gerechnet. Zumal mehrere Kunden, die während unserer Wartezeit erschienen sind, trotz Voucher gar keinen Mietwagen mehr bekamen. Also falls ihr auf Kuba einen Mietwagen mieten möchtet, dann bringt viel Zeit mit!

Der Mietwagen war ein Kia Picanto mit Automatikgetriebe und Klimaanlage. Antenne und Heckscheibenwischer haben gefehlt, die Frontscheibenwischer waren nur Dekoration und hatten keine Funktion. Stoßdämpfer waren gefühlt gar keine vorhanden. Egal, dachten wir, hauptsache es fährt (und das tat es bis zum Ende)!

Nun mussten wir erstmal durch halb Havanna, um die Autobahn nach Viñales zu erreichen. Und Autofahren in Kuba ist, nunja, anders. Erstens sind auf der Straße mehr Fußgänger, Fahrräder, Bici-Taxis, Pferdekarren und Ochsenkarren als Autos unterwegs; und zweitens fährt jeder wie er will, Verkehrsregeln gibt es quasi nicht, so zumindest der erste Eindruck. Aber ich kann euch empfehlen, fahrt trotzdem! Nach einer Weile werdet ihr das System verstehen und dann werdet ihr es ziemlich entspannt finden, denn der Verkehr läuft sehr viel langsamer als bei uns. Relativ problemlos erreichten wir also die Autopista und unsere lange Fahrt nach Viñales begann.

Nach Viñales

Im Gegensatz zu den schlaglochübersäten Straßen in Havanna war die Autobahn A4 „Autopista Este-Oeste“ in relativ gutem Zustand. Vereinzelt waren aber recht tiefe Schlaglöcher vorhanden, was erhöhte Aufmerksamkeit erforderte. Generell ist das Fahren auf der Autopista aber sehr entspannt, denn es sind fast keine anderen Autos unterwegs. Die rechte Spur wird von Fußgängern, Viehkarren, Pferdekarren und Fahrrädern genutzt, die linke Spur ist so gut wie immer frei.

Im Schatten von Brücken warten immer einige Kubaner auf Mitfahrgelegenheiten. Hier müsst ihr aufpassen, gerne springen sie vor euch auf die Autobahn, damit ihr sie bloß nicht überseht. In der Nähe von Ortschaften stehen oft Obstverkäufer an der Autobahn, die auch gerne mal auf die Straße laufen.

Zur Navigation haben wir ForeverMap 2 genutzt, das auf OpenStreetMap basiert und Karten zur Offline-Nutzung herunterladen kann. Außerdem hatten wir eine antike, auf toten Baum gedruckte Landkarte von Kuba dabei. Das Kartenmaterial von OpenStreetMap war nicht sehr genau, viele Straßen fehlten, andere existierten einfach nicht, zum groben Navigieren hat es aber gereicht.

Jineteros

„Jineteros“ nennt man in Kuba Schlepper, die Touristen aufgabeln und zu einer Casa oder zu einem Restaurant bringen und dann dort Provision kassieren. Die „Jineteros“ können sehr aufdringlich werden und sie werden euch eine Menge Lügen auftischen: Die Hauptstraße durch den Ort ist so gut wie immer gesperrt. Ausserdem ist heute zufällig das Zigarrenfestival, Zigarren gibt es deshalb heute (bei guten Freunden) zum halben Preis. Die Casa Particulares, in die ihr wollt, ist auch geschlossen, da der Besitzer verreist oder verstorben ist. Wenn ihr in ein bestimmtes Restaurant wollt, dann ist das natürlich auch geschlossen, denn die chinesische Delegation ist heute da. Aber zum Glück kennt der „Jinetero“ Alternativen und führt euch gerne dorthin.

Das waren nur ein paar der Lügenmärchen die wir uns anhören durften. Wenn ihr auf der Straße angesprochen werdet, dann geht erstmal davon aus, dass man euch anlügt und nur an euer Geld will. Es gibt aber auch sehr nette Kubaner, die sich wirklich nur unterhalten möchten. Geht mit diesem Wissen und gesundem Misstrauen ins Gespräch, dann werdet ihr recht schnell merken worauf euer Gegenüber aus ist.

Pinar del Río

Hungrig erreichten wir nach ein paar Stunden die Stadt Pinar del Río, die sich am Ende der Autopista und im Süden von Viñales befindet. Auf der Hauptstraße machten wir dann unsere erste Begegnung mit einem „Jinetero“. Er fing uns auf seinem Fahrrad ab – als Touristen bekommt ihr übrigens ein knallrotes Nummernschild auf euren Mietwagen, wohl damit die Schlepper euch direkt erkennen. Da wir wirklich sehr hungrig waren und keine Lust auf eine lange Suche nach einem Restaurant hatten, nahmen wir dem „Jinetero“ die Geschichte der gesperrten Hauptstraße ab und ließen uns von ihm in ein Restaurant führen. Wir stellten aber die Bedingung, dass er uns vorher die Sehenswürdigkeiten von Pinar del Río zeigt.

So radelte er vor uns her und erklärte uns dabei einige Sehenswürdigkeiten, für längere Ausführungen hielten wir an. Am Ende der Tour führte er uns in ein kleines Restaurant, wo wir ein paar Ham and Cheese Sandwiches aßen. Während wir aßen nervte uns ein weiterer „Jinetero“ und versuchte uns zu überreden, eine Zigarrenfarm zu besichtigen, die natürlich nur an diesem Tag geöffnet hatte. Wir lehnten entschieden ab und wurden ihn so schnell wieder los.

Als wir zurück zum unserem Mietwagen kamen, war ein älterer Herr dabei unseren frisch gewaschenen Mietwagen gleich noch einmal zu waschen. Etwas sauer scheuchte ich ihn weg, drückte ihm aber noch einem halben CUC in die Hand, irgenwie tat er mir ja doch leid.

Nach diesen Erlebnissen haben wir auf unserer restlichen Kuba-Reise keinem „Jinetero“ mehr geglaubt und auch keine „Dienste“ mehr angenommen. Mag es im ersten Moment noch so verlockend sein, begeht nicht den Fehler und denkt euch, „Kann ja nicht so schlimm werden“ – es wird schlimm! Und durch eure Unterstützung der „Jineteros“ verschärft ihr die Situation in Kuba nur noch mehr.

Casa La Campestre

Visitenkarte Casa La Campestre

Über eine Straße, die sich durch die Berge schlängelte, ging es nun weiter nach Viñales. In Viñales befand sich unsere Casa Particulares für die nächsten beiden Nächte. Dank der GPS-Koordinaten, die ich auch hier im vorraus rausgesucht und aufgeschrieben haben, fanden wir die Unterkunft auf Anhieb.

Die Casa La Campestre war sehr schön eingerichtet und verfügte über eine gute Klimaanlage. Nur an warmem Duschwasser hat es gemangelt, was mich aber nicht störte, da ich bei den heißen Außentemperaturen sowieso immer kalt duschte. Margarita war eine hervorragende Köchin, das Abendbrot in der Casa La Campestre gehörte zu dem Besten, was wir in Kuba serviert bekamen!

Gebucht haben wir die Casa La Campestre (wie fast alle anderen Casas auch) über Pototo Tourist Services. Die Reservierung über Pototo hat bei allen Casas einwandfrei funktioniert und ich kann euch sehr empfehlen diesen Service zu nutzen! Solltet ihr euch für die Casa La Campestre entscheiden, die genauen GPS-Koordinaten lauten: 22.612635, -83.711720.

Hotel La Ermita

Sonnenuntergang über dem Tal von Viñales, vom Hotel La Ermita fotografiert

Vor dem außerordentlich guten Abendbrot in der Casa waren wir aber noch im Hotel La Ermita und schauten uns den Sonnenuntergang über dem Viñales-Tal an. Ein traumhafter Anblick, den ihr euch bei einem Besuch in Viñales nicht entgehen lassen solltet!

Außerdem könnt ihr im Hotel La Ermita ins Internet. 30 Minuten-Karten für das ETECSA-WLAN bekommt ihr für 1 CUC an der Rezeption. Mehr zum Internet in Kuba findet ihr im Artikel zu Tag 3: Eine Rundfahrt duch Havanna. Da 1 CUC für 30 Minuten der offizielle Verkaufspreis ist, deckte ich mich hier mit WLAN-Karten ein und kaufte direkt sechs Stück für den Rest unserer Reise.

Der traumhafte Sonnenuntergang über dem wunderschönen Viñales-Tal machte uns Lust auf die Wanderung durch das Tal, welche wir für den nächsten Tag geplant hatten. Dazu aber im nächsten Artikel mehr.

Galerie (11 Fotos)

Willi Thiel

Geschrieben von Willi Thiel am 28. März 2016.


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Kommentare

Constance
vor 2 Jahren

Ich bin jetzt schon viele 1000 Kilometer durch Cuba gefahren und finde die Straßenverhältnisse überhaupt nicht schlimm. Natürlich ist es ein anderes Fahren als bei uns. Aber das ist in jedem Land so. Ich finde, die Cubaner fahren sehr rücksichtsvoll und vorausschauend. Vor Frauen am Steuer haben sie allerdings Angst. Natürlich gibt es immer wieder Schlaglöcher und die Straße ist rau und rubbelig. Aber das kann man auch in Italien oder Griechenland finden.

Meine Autos habe ich immer von REX. Es war möglich das Auto am Vorabend der Anmietung abzuholen. Die Horrorgeschichten im Internet habe ich auch gelesen. Allerdings stand unser Mietwagen immer blitzesauber vor der Tür. Die Formalitäten waren in etwa 15-30 Minuten alle erledigt und wir sind mit dem Auto abgefahren. Einen Rückscheibenwischer hatten wir zwar nie, die Handbremse mussten wir besonders stark anziehen und der Zigarettenanzünder funktionierte nicht. Das war ziemlich schlecht, da ich das IPad laden wollte, um Maps.me, eine offline Straßenkarte zu nutzen. Wir haben das Ladeproblem zum Glück in den Casas lösen können, wo man ja nicht immer weiß, ob man eine passende Steckdose findet. Mit Maps.me waren wir bestens gerüstet. Selbst kleine Straßen waren eingezeichnet, Super.

Also keine Angst vor Cubas Straßen. Es lohnt, die Insel mit dem Mietwagen zu erkunden.

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