Von Selfoss nach Vík í Mýrdal

Island-Tagebuch 2017 – Tag 2: Vorbei an den ersten Naturwundern über die Ringstraße nach Vík í Mýrdal

vor 5 Monaten veröffentlicht unter Reisen  Island.

Am zweiten Tag unseres Island Roadtrips stand die Fahrt in das kleine Städtchen Vík í Mýrdal auf dem Programm. Die „Bucht am sumpfigen Tal“ ist der südlichste Ort auf dem Festland Islands und hat rund 300 Einwohner. Auf unserer Fahrt dorthin besuchten wir die ersten Wasserfälle, Gletscher und sonstigen Naturwunder, von denen Island bekanntermaßen einige zu bieten hat.

Streckenverlauf

Da das Wetter in Island vor allem im Winter unberechenbar ist, lautete unser Plan, so schnell wie möglich zum östlichsten Ort unseres diesjährigen Roadtrips zu fahren und uns von dort aus gemütlich zurück nach Westen zu arbeiten. Da die Straßenverhältnisse in Island selbst bei gutem Winterwetter anspruchsvoll sein können, teilten wir unseren Weg von Selfoss nach Höfn in zwei Etappen auf. Das wunderschöne Vík í Mýrdal diente also (vorerst) nur als Zwischenstopp auf unserer Reise nach Osten.

Allerdings hatten wir – zumindest fahrtechnisch – Glück mit dem Wetter. Dank des Klimawandels gab es nämlich in diesem isländischen Winter noch keinen richtigen Schnee und so konnten wir die Atlantikinsel Ende Februar in strahlendem Sonnenschein und bei Temperaturen von 15°C erkunden.

Nach einem hervorragendem Frühstück in unserer Unterkunft in Selfoss begaben wir uns zügig auf die Ringstraße und starteten in unsere 130 km lange Etappe.

Urriðafoss

Karte an den Koordinate 63.924723°, -20.675348°

Urriðafoss

Die erste Sehenswürdigkeit erreichten wir bereits nach 20 km Fahrt auf der Ringstraße, den direkt neben der Ringstraße liegende Urriðafoss. Bei unserem letzten Island-Roadtrip haben wir den wasserreichsten Wasserfall Islands noch links liegen lassen, da er doch recht unbekannt ist. Auf einer Breite von 40 Metern stürzt der Fluss Þjórsá hier 6 Meter in die Tiefe. Überall im Wasserfall verteilt gibt es kleinere und größere Stromschnellen zu bewundern, wir verbrachten sehr viel Zeit damit, uns das Schauspiel anzusehen!

Es ist geplant, hier ein Wasserkraftwerk zu errichten, was das Ende für den Wasserfall bedeuten würde. Das wäre wirklich sehr schade, denn der Urriðafoss ist schon ein sehr schöner Wasserfall!

GPS: 63.924723°, -20.675348° (OpenStreetMap , Google Maps )

Ringstraße

Aussicht auf der Ringstraße

Wieder zurück im Auto bewunderten wir die uns umgebende Natur, der Ausblick auf der Ringstraße ist einfach immer atemberaubend! Dadurch macht Autofahren in Island auch tierischen Spaß! Aber konzentriert euch bitte trotz der tollen Natur auf die Straße, denn wir wurden selbst schon Zeuge von durch Ablenkung erzeugten schlimmen Unfällen auf der Ringstraße! Legt lieber – wie wir – unzählige Stopps ein um die Aussicht zu genießen und Fotos zu schießen. Parkplätze und Einbuchtungen sind dazu genügend vorhanden!

Seljalandsfoss

Karte an den Koordinate 63.615537°, -19.988607°

Seljalandsfoss

Nächstes Ziel war der Seljalandsfoss, einer der bekanntesten Wasserfälle Islands. Der Fluss Seljalandsá stürzt hier 66 Meter in die Tiefe. Das besondere an diesem Wasserfall ist, dass man hinter ihm durch gehen und durch den Wasserschleier nach außen schauen kann. Besonders imposant soll das in den Abendstunden sein, leider haben wir es bei beiden Island-Roadtrips immer nur geschafft, den Wasserfall am Morgen zu besuchen. Immerhin haben wir so ein Ziel für unseren nächsten Island-Roadtrip!

Überfüllung am Seljalandsfoss

Bei der Anfahrt zum Seljalandsfoss traf uns aber erstmal der Schlag. Der Parkplatz wurde seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren stark vergrößert und war trotzdem total überfüllt. Neben unzähligen Autos standen auch mehrere Reisebusse auf dem Parkplatz. Wir wussten zwar, dass sich die Anzahl der Touristen in Island seit unserem letzten Besuch vervielfältigt hat, aber damit haben wir mitten in Winter nun wirklich nicht gerechnet!

Auch um den Wasserfall sah es nicht besser aus. Bei unserem letzten Besuch waren dort vielleicht fünf bis zehn Personen. Diese Zahl hatte sich mittlerweile verdreißigfacht …

Glücklicherweise fuhren die Reisebusse nach kurzem Aufenthalt wieder weiter, was die Lage doch sehr entspannte. Generell war es bei allen bekannten Sehenswürdigkeiten eine Frage des Timings. Es kam des Öfteren vor, dass wir komplett alleine an einem Wasserfall waren, dann plötzlich von hunderten Menschen umgeben und nur ein paar Minuten später wieder komplett alleine waren.

GPS: 63.615537°, -19.988607° (OpenStreetMap , Google Maps )

Gljúfrabúi

Karte an den Koordinate 63.620854°, -19.986581°

Der Gljúfrabúi, „Der in der Schlucht lebende“, ist ein Wasserfall gleich neben dem Seljalandsfoss. Wie sein Name schon sagt, liegt dieser etwas versteckt in einer Höhle. Da wir diesen bei unserem letzten Roadtrip vergessen hatten, wollten wir ihn nun besuchen. Doch daraus wurde leider nichts, denn im Winter führt der Gljúfrabúi soviel Wasser, dass man die Höhle nicht ohne Gummistiefel betreten kann. Und Gummistiefel hatten wir leider nicht dabei. Dabei sind diese ein absolutes Muss im isländischen Winter, wie wir im Verlauf unseres Roadtrips feststellen mussten.

GPS: 63.620854°, -19.986581° (OpenStreetMap , Google Maps )

Seljavallalaug

Karte an den Koordinate 63.565553°, -19.607785°

Anschließend fuhren wir weiter zum Schwimmbad Seljavallalaug. Nachdem wir dort aber den überfüllten Parkplatz gesehen haben, verging uns die Lust am Baden und wir setzten unsere Fahrt fort. Falls ihr den über 30 Grad warmen Pool trotz Überfüllung besuchen möchtet, findet ihr auf reisegeek.de ein paar praktische Tipps dazu: Seljavallalaug - Der verlassene Pool in Island.

GPS: 63.565553°, -19.607785° (OpenStreetMap , Google Maps )

Skógafoss

Karte an den Koordinate 63.531801°, -19.511624°

Skógafoss

Dann ging es zum Skógafoss, dem 60 Meter hohen Wasserfall mit Regenbogengarantie. Wasserdicht eingepackt spazierten wir bis zum Fuße des Wasserfalls, wo wir wirklich einiges an Gischt abbekamen und ohne Regenbekleidung vermutlich in wenigen Sekunden bis auf die Haut nass gewesen wären. Aber so gut eingepackt wie wir waren, konnten wir die überwältigende Kraft des direkt neben uns aufschlagenden Wassers in vollen Zügen genießen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel!

Skógafoss von oben

Neben dem Wasserfall führt ein Weg auf eine Plattform, die sich direkt neben dem oberen Ende des Wasserfalls befindet. Wir überwanden unseren inneren Schweinehund und stiegen die 60 Meter auf den Berg hinauf. Von oben hat man eine schöne Aussicht auf das Land vor dem Wasserfall, vom Wasserfall selbst sieht man leider relativ wenig.

Der Wanderweg über dem Wasserfall, über den man weitere kleinere Wasserfälle des Flusses Skógá erreichen konnte, ist leider mittlerweile aus Naturschutzgründen geschlossen. Hier haben die vielen Touristen wohl ihre Spuren hinterlassen.

Überfüllung am Skógafoss

Nachdem wir am Anfang zeitweise ganz alleine am Skógafoss waren, erreichten nach und nach Busladungen voller Touristen. Kurz vor unserer Weiterfahrt tummelten sich dann plötzlich hunderte Menschen um den Wasserfall, was für uns bedeutete: Schnell weg hier …

GPS: 63.531801°, -19.511624° (OpenStreetMap , Google Maps )

Sólheimajökull

Karte an den Koordinate 63.532586°, -19.369757°

Sólheimajökull

Unser Weg führte uns als nächstes zu einem der am leichtesten erreichbaren Gletscherzungen in Island, dem Sólheimajökull. Vor zwei Jahren waren wir noch komplett alleine hier und auf dem Gletscher befand sich eine kleine Menschengruppe. Mittlerweile werden die Touristen hier in Massen angekarrt und auf dem Gletscher unternehmen hunderte Menschen gleichzeitig eine Gletscherwanderung. Wir sahen vor lauter Menschen fast keinen Gletscher mehr, hier hat sich wirklich viel verändert!

Wie schon bei unserem letzten Roadtrip statteten wir dem kleinen Café Sólheimajökull wieder einen Besuch ab und wärmten uns bei Kaffee und heißer Schokolade auf.

GPS: 63.532586°, -19.369757° (OpenStreetMap , Google Maps )

Dyrhólaey

Karte an den Koordinate 63.402647°, -19.13092°

Dyrhólaey

Nach weiteren 25 km Fahrt auf der Ringstraße erreichten wir die letzte Sehenswürdigkeit unserer zweiten Etappe, die Halbinsel Dyrhólaey mit ihren beeindruckenden Felsformationen. Das Kap ist vor 80.000 Jahren bei einem Vulkanausbruch entstanden und noch heute kann man die Schwefelverbindungen am Gipfel riechen.

Mit sonnigem Wetter war es nun auch vorbei, Nebel und Sturm zogen auf, was die Felsformationen sehr mystisch wirken ließ. Aufgrund des ungemütlichen Wetters hielten wir uns aber auch nicht allzu lange auf dem ungeschützten Berg auf und setzten unsere Reise nach Vík í Mýrdal fort.

GPS: 63.402647°, -19.13092° (OpenStreetMap , Google Maps )

Vík í Mýrdal

Karte an den Koordinate 63.418763°, -19.006142°

20 Minuten später erreichten wir den Ort Vík í Mýrdal, der meiner Meinung nach einer der schönsten Orte in Island ist. Sobald ihr den Berg Reynisfjall auf der Ringstrasse passiert hab, liegt dieser 300 Einwohner Ort in einem Tal vor euch, direkt an einem Strand aus schwarzer Lava, überthront von einer kleinen, wunderschönen Kirche auf einem Hügel und eingerahmt von den hohen, schneebedeckten Bergen des Katla-Vulkans. Ein traumhafter Anblick!

Kosy Vík

Karte an den Koordinate 63.421147°, -19.007087°

Ebenfalls in Vík befindet sich eine der besten Unterkünfte, in der wir auf unserem Roadtrip vor zwei Jahren übernachtet haben, das Kosy Vik. Selbstverständlich haben wir uns dieses Mal wieder dort einquartiert.

Die Gastgeberin Hrund ist super nett, die Zimmer sind wunderschön und das Frühstück ist sehr umfangreich und lecker! Zum Empfang gab es wieder eine traditionelle isländische Spezialität: Vergammelter Hai mit Brennivín, einem isländischem Schnaps, der auch „schwarzer Tod“ genannt wird. Gewöhnungsbedürftig, aber dann doch sehr lecker! Außerdem hat sie extra für uns isländisches Craftbier besorgt, dass in einer Schüssel voller Eiswasser im Zimmer auf uns wartete, eine sehr schöne Überraschung!

Solltet ihr einen Zwischenstopp in Vík í Mýrdal einlegen, dann kann ich euch das Kosy Vík sehr empfehlen! Wenn ihr nicht über Booking.com buchen wollen, könnt ihr das Kosy Vik auch in Airbnb finden, oder ihr schreibt Hrund auf Facebook einfach direkt an.

Suður-Vík

Karte an den Koordinate 63.422384°, -19.008063°

Bier im Suður-Vík

Zum Abendbrot führte es uns schließlich ins Suður-Vík, einem empfehlenswerten, urigem Restaurant in Vík. Zu einer leckeren Pizza gab es diverse (unbezahlbare) isländische Craftbiere, ein schöner Abschluss von Tag Zwei unseres Roadtrips!

Galerie (21 Fotos)

Willi Thiel

Geschrieben von Willi Thiel am 12. März 2017.



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